Wie das Schneeglöckchen zu seinem Namen kam

 

Wieder einmal ging ein langer, harter Winter seinem Ende zu. Die Natur begann langsam vom Winterschlaf zu erwachen. Nur noch in einigen Winkeln des Waldes oder unter mancher Hecke lag ein kleiner Rest letzten Schnees. Mutter Sonne sandte ihre ersten wärmenden Strahlen aus und hielt Ausschau nach dem ersten Grün und den ersten zarten Blümchen. Aber nirgends rührte sich etwas. Der Südwind kam gezogen und strich sanft mit lauem Hauch über den Boden in Wald und Wiese um nach den ersten Frühlingsboten Ausschau zu halten. Aber auch er fand nicht ein Hälmchen. Nun begannen die Vöglein ihr zartestes Frühlingslied anzustimmen. Fröhlich riefen sie es in Wald und Feld hinaus: „Der Winter ist vorüber, der Frühling ist da."

Nachdem sie schon einige Tage gesungen hatten, ließ sich plötzlich von fern her ein feines, zartes Stimmchen vernehmen: "Ich möchte ja so gerne meine Blüten zeigen nur sieht mich niemand.“  „Wer kann das sein“, überlegte Frau Sonne und schaute unter jeden Strauch. Plötzlich entdeckte sie ein paar kleine Blättchen, eine Blüte konnte sie jedoch nicht entdecken. „Wer bist du“, erkundigte sich Frau Sonne. „Ich bin ein kleines Frühlingsglöckchen, das das in jedem Jahr den Frühling einläutet“, antwortete ein zartes  Stimmchen. „Was ist passiert“, fragte erschrocken die Sonne. „Der Winterkobold hat mich verzaubert damit in diesem Jahr der Frühling nicht einkehren kann“, antwortete das Blümlein. „Wie können wir dir helfen“, wollte die Sonne nun wissen. „Nur wenn mir jemand ein wenig von seiner Farbe schenkt, kann ich wieder läuten. Aber wer soll das sein, wo doch ohne mein Läuten die Pflanzenwelt nicht erwachen kann“, antwortete traurig die kleine Blume. Die Sonne hörte das Blümlein weinen und trug die Nachricht weiter.

Schnell sprach es sich im ganzen Wald herum. Die Vögel verbreiteten die Botschaft, der Bach plätscherte sie weiter. Alle überlegten wie man dem kleinen Blümlein helfen könne. Aber wie man auch Wald und Feld helfen könne, dass endlich der Frühling einkehre. Plötzlich meldete sich ein Schneefleck unter einer alten Tanne. „Ich könnte euch helfen“, meinte er. „Duuu? Der du uns den ganzen Winter mit deiner Last und Kälte gedrückt hast?!“ „Ja ich“, gab der Schnee zu bedenken, „Ich muss sowieso weichen und das dauert nur noch wenige Tage dann haben Sonne und Südwind mich geschmolzen. Ich könnte meine Farbe der Blume geben.“ „Das würdest du tun“, plätscherte der Bach im vorüberfließen. „Ich würde es tun“, antwortete der Schnee. Nun kamen die Vöglein geflogen, jedes nahm in seinen Schnabel ein wenig von dem Schnee und brachte ihn dem Blümlein.  Wie durch einen Zauber erstrahlte nun die kleine Blume in einer zartweißen Farbe. Nun sah man, dass es eine kleine Glocke war, die auch gleich zu läuten begann um dem Schnee ein ‚Habdank‘ zu sagen.  Der letzte Schnee schmolz, die Natur erwachte in Wald und Feld zu neuem Leben. Gräser und Blumen streckten ihre ersten Halme dem Frühling entgegen. Seit dem heißt das erste Glöckchen, das nach langem Winter den Frühling begrüßt, Schneeglöckchen.

 

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