Die ersten Krokusse

 

Vor vielen hundert Jahren,  als noch Bären und Wölfe durch unsere Wälder streiften, blühten ganz oben in den Bergen, kaum dass der erste Schnee geschmolzen war, viele kleine Blümlein. Gerade als das Schneeglöckchen den Frühling begrüßt hatte, streckten auch schon diese kleinen Frühlingsboten ihr  Köpfchen in die Höhe. Diese Blümlein kannten jedoch nur  die Hirten, die schon im zeitigen Frühjahr ihr Vieh auf die Bergwiesen trieben. Wanderern fielen sie gar nicht auf. Das kam daher, weil ihr Blütenkelch genauso grün war wie ihre Blätter. „Was sind das nur für seltsame Blumen“,  wunderten sich die Hirten immer wieder. „Sie sehen so hübsch aus, haben aber keine rechte Farbe“. „Eigentlich ist es schade“, meinte ein anderer Hirte. Das hörte der Regenbogen, der nach einem kräftigen Frühlingsgewitter gerade am Himmel stand. „Das wird sich ändern“, nahm er sich vor und schenkte etwas von seinen sieben Farben den Krokussen. Seit dem sind die Krokusse so bunt, so vielfältig in ihrer Farbe wie der Regenbogen.

©ChT