Igelfreundschaft

 

„Der Herbst ist schön,

der Herbst ist schön,

die bunten Blätter tanzen…“

 

Hüpfend kommt Gina den Parkweg entlang, ihr selbst erdachtes Lied vor sich hin trällernd. Ab und zu bückt sie sich, hebt ein paar Blätter auf und wirft sie hoch in die Luft. Sie liebt das Spiel mit den Blättern. Ihre Hosentaschen sind prall gefüllt mit Eicheln und Kastanien. Am Nachmittag wird sie mit Mutti daraus die schönsten Dinge basteln. „Was war das“, Gina stutzt und lauscht auf das Rascheln am Wegesrand. „Sicher war es eine Amsel, auf der Suche nach einem Wurm“, denkt sie und will schon weiter gehen. Als das Rascheln erneut ertönt und ihren Blick fesselt. „Ein Igel“, ruft das Mädchen erfreut aus. Schnell zieht sich der Igel ins Laub zurück, von der plötzlichen Lautäußerung erschreckt. Aber es hilft ihm nichts, jetzt wo Gina ihn bereits entdeckt hat. So leise wie möglich schleicht sie sich zum Versteck des Igels und lüftet vorsichtig das Laub. Zusammengerollt zu einer Kugel, hofft der Kleine nicht erkannt zu werden. Behutsam deckt Gina die kleine Stachelkugel wieder zu. Jetzt sieht sie sich auf dem Wege um. „Wie kann ich mir diesen Platz merken“, überlegt sie. „Dort drüben die dicke Kastanie, die werde ich mir merken“, beschließt das Mädchen. Nun läuft sie schnell nach Hause. „Mutti, ich habe einen Igel gefunden!“, ruft Gina begeistert. „Bitte gib mir ein Schälchen mit Milch, ich möchte es ihm bringen“, fordert sie. „Meinst du der Igel wartet auf dich“, gibt Mutti zu bedenken. „Ja“, behauptet Gina siegessicher „er hat dort, wo ich ihn fand ein Winterquartier.“ „Na dann versuch mal dein Glück“, lacht Mutti und sucht im Keller nach einem Gefäß.

In einer Ecke findet sie eine alte Ofenkachel, die bringt sie mit nach oben, säubert sie und meinte: “Dies ist genau das Richtige für deinen kleinen Freund, die Kachel ist schwer, so kann der Igel die Milch nicht verschütten.“ In eine Flasche füllt die Mutter Milch, die sie etwas verdünnt hatte. „Hier hast du noch ein Stück Apfel und einen Kanten Brot. Sicher freut sich dein kleiner Vierbeiner darüber.“ Gina macht sich auf den Weg. In der Nähe des Laubhaufens baut sie die Geschenke auf. Bei der alten Kastanie bezieht sie ihren Beobachtungsposten. Lange brauchte sie nicht zu warten, da sah sie wie ihr kleiner Freund langsam hervor kam, sein Schnäuzchen schnüffelnd in die Luft hielt und sich geradewegs zum von Gina gespendeten Mahl bewegte. Schmatzend lehrte er das Schälchen Milch. Von nun an versorgte das Mädchen jeden Morgen seinen kleinen Stachelfreund. Als der Winter einzog schlief Borstel bis zum nächsten Frühling fröhlich und gut gesättigt ein.

© ChT