Ein kleines Lied mit großer Wirkung

„Dein Baumhaus ist aber Klasse“, begeistert bewunderte Gitte das Baumhaus ihres Freundes. „Ich finde es toll von deinem Vater, dass er es dir gebaut hat. Bei uns ist das nicht möglich, wir haben keinen Garten.“ „So kommst du öfter zu mir und wir können gemeinsam hier spielen“, freute sich Uwe. Das Mädchen besieht sich das Haus von allen Seiten, lehnt sich aus dem Fenster und entdeckt einen stabil wirkenden Ast der sie zum klettern lockt. Schon ist sie aus dem Fenster geklettert und balanciert auf dem Ast entlang.

„Gitte, komm zurück“, ruft der Junge voller Angst um seine kleine Freundin. "Du traust dich nur nicht“, ruft Gitte heiter und beginnt  auf dem Ast zu wippen. Knacks.. krach… macht es und der Ast bricht, bevor Gitte sich besinnen kann. Zuerst ist sie sprachlos vor Schreck, nach wenigen Augenblicken beginnt sie jedoch zu jammern: „Mein Bein, mein Bein.“ Schnell wie der Blitz ist Uwe neben seiner Freundin um nach ihr zu sehen. „Ich lauf und hole Hilfe“, ruft der Junge noch und ist auch schon fort. Nach wenigen Minuten erscheint Uwe mit seiner Mutti, die sich das Bein genauer besieht. Tapfer unterdrückt Gitte die Tränen. „Da müssen wir wohl schnellstens zum Arzt.“ Vorsichtig nimmt die Mutter das Mädchen auf den Arm und trägt es zum Auto. Schnell fahren sie zum Krankenhaus, wo das Bein erst einmal geröntgt wird. „Dein Bein ist gebrochen“, erklärte der Arzt „Trotz allem hast du aber noch Glück gehabt. Es ist ein glatter Bruch. Eine Weile musst du aber das Bett hüten. Schwester Inge wird dir jetzt einen Gipsverband anlegen.“ Doktor Werner eilte bereits zu einem anderen Patienten. Uwe blieb stets bei seiner Freundin und versuchte ihr Mut zu machen. Jetzt waren auch Gittes Eltern eingetroffen um nach ihrem Mädchen zu sehen.

Jeden Tag besuchte Uwe seine Freundin. Gemeinsam erledigten sie die Hausaufgaben die Uwe mitbrachte und spielten miteinander. Ging Uwe abends jedoch nach Hause, jammerte Gitte jedesmal: „Es ist so langweilig wenn du nicht da bist.“ So hatte Uwe eine Idee.

Am nächsten Tag kam er mit einem großen Paket zu seiner Freundin. „Was hast du denn da?“ fragte Gitte neugierig. „Schau doch mal nach“, forderte Uwe sie auf und stellte das Paket an Gittes Bett. Vorsichtig öffnete Gitte das Packpapier. „Ein Vogel! Ein lebendiger Vogel!“ jubelte sie. „Du bist großartig Uwe! Jetzt habe ich nie mehr Langeweile! Was ist das für ein Vogel? Er singt so wunderschön!“ schwärmte Gitte. „Das ist ein Kanarienhahn. Er wird dir seine schönsten Lieder singen“, erklärte Uwe. „Ich danke dir, du bist mein bester Freund“,k rief das Mädchen voll Begeisterung. An diesem Nachmittag drehte sich alles um „Hansi“. So hatte Gitte ihren gefiederten Freund genannt. Jeden Nachmittag wenn Uwe zu Besuch kam, erzählte ihm seine Freundin, was Hansi alles konnte. Schon nach zwei Wochen saß Hansi auf Gittes Finger. Jeden Morgen weckte der Vogel das Mädchen mit seinem Lied, das diese nie mehr missen mochte.

© ChT