Flieg mit auf meiner Seifenblase

 

„Oh diese herrlichen Seifenblasen, eine immer schillernder als die Andere.“ Anni hüpfte vor lauter Freude. Heute hatte sie Geburtstag und jetzt war sie mit ihren Freunden auf den Hof gegangen um sich an den Seifenblasen zu erfreuen. Viele schöne Geschenke hatte sie bekommen, einen Roller, eine neue Puppe, Malhefte und diese Seifenblasen. Oft wenn sie mit der Mutti einkaufen war, und nach einem Wunsch gefragt wurde, sagte sie prompt: „Seifenblasen“. Für sie war es die größte Freude diesen bunten Traumblasen hinterher zu sehen. Sie stellte sich dann vor, mit ihnen in die  weite Welt zu fliegen oder ins Märchenreich. Heute durften ihre Gäste immer abwechselnd die bunten Blasen hervorzaubern. Wer die Größten blies, bekam einen Preis. „Peter! Schaut doch mal, was der Peter für eine große Blase hat und sie platzt nicht einmal sondern fliegt weit davon!“ So etwas Schönes hatte Anni noch nie gesehen. Freudig lief sie der Blase hinterher und wollte sie fangen. Immer weiter lief sie und hörte gar nicht mehr, wie ihre Freunde vergeblich nach ihr riefen.  Sie merkte auch nicht, dass ihr Haus längst außer Sichtweite war und sie sich auf einer bunten Blumenwiese befand. Plötzlich hatte sie die Traumblase aus den Augen verloren. Aber auch das störte Anni im Moment nicht, denn die Wiese war so wunderschön, das sie durch Blumen, Käfer und Vögel genug Ablenkung hatte. Ein kleiner gelber Falter kam auch sogleich herbei und ließ sich auf ihrem Finger nieder. Schon immer hatte sich Anni gewünscht, dass ein Schmetterling zu ihr käme ohne Angst. Darum hielt sie auch ganz still und betrachtete dieses kleine Wunder. Als er sich dann in die Lüfte erhob, lief sie ihm träumend nach.

 Jetzt merkte Anni, dass sie weit von daheim entfernt war. In diesem Moment wurde sie aber auch schon angesprochen. „Hallo Anni, wir gratulieren dir zum Geburtstag!“ Eine kleine Grille flog vor ihr auf und nieder und brachte ein Ständchen. „Woher wisst ihr...?“  staunte Anni. „Wir wissen hier alles. Du bist im Land der Träume. Die Seifenblasen haben dich hierher geführt.“ „Das gibt´s doch nicht“, wunderte sich Anni. „Doch das gibt es, aber nur für Sonntagskinder. Schon oft warst du hier bei uns wenn du deinen Traumblasen hinterher liefst. Aber nur heute an deinem Geburtstag kannst du uns für eine Stunde erleben.“ „Danke, das ist mein schönstes Geschenk“, freute sich Anni und genoss die Zeit auf ihrer Traumwiese, die viel zu schnell verging.

„Anni, wo bist du nur gewesen?“ Die Mutter war voller Aufregung als ihr Töchterchen wieder daheim ankam. „Deine Gäste sind schon gegangen, weil sie annahmen, dass du nicht so schnell wiederkommst.“ „Ach Mutti, wenn du wüstest...! Die Seifenblasen haben mich weit fort geführt“, erzählte nun Anni. „Ja, ja du und deine Traumblasen. Seine Gäste darf man aber nicht darüber vergessen.“ „Denen erkläre ich das schon morgen, sie werden mich sicher verstehen. Ich war auf einer wunderschönen Wiese und habe mich mit Käfern und Schmetterlingen unterhalten.“ „Anni, nun bist du schon fünf Jahre geworden, aber das Träumen ist für dich das Wichtigste.“ Die Mutti schüttelte den Kopf. „Mutti, die Träume sind auch das Wichtigste. Sie sind so wunderschön!“ Anni dachte immer noch an die Glückwünsche der kleinen Grille und ihr Konzert. (c) ChT