Pit und  Paula wandern durch das Jahr

 

Das Jahr neigte sich seinem Ende zu. Pit und Paula streiften wieder einmal gemeinsam durch ihren geliebten Wald. „Schade das dieses Jahr kein Schnee liegt“, sagte Paula etwas enttäuscht zu ihrem Bruder. „Weißt du noch, wie wir im vorigen Jahr auf dem großen Abhang gerodelt sind?“ „Ja das war toll aber vielleicht fällt der Schnee in diesem Jahr noch“, meinte Pit ganz ruhig. „Du machst mir Spaß, in diesem Jahr kann wohl kein Schnee mehr fallen“, neckte Paula ihren Bruder, „hast du denn vergessen, dass morgen Sylvester ist?“ „Na so wörtlich habe ich es nun auch nicht gemeint“, wurde Pit etwas ärgerlich, denn er ließ sich nicht gerne von seiner kleinen Schwester foppen. „Ohne Schnee machen die Ferien gar nicht richtig Spaß“, fing Paula wieder an zu nörgeln. „Du musst nicht so ungeduldig sein, wart ab, was das Neue Jahr uns bringt.“ In diesem  Moment wurde Paula durch etwas abgelenkt, da sie aus der Ferne etwas glitzern sah.

„Pit schau, siehst du, was ich sehe?!!“ Paula rannte los und kam mit einem  funkelnden Ring wieder bei Pit an.“ Ja der sieht wirklich hübsch aus“, stimmte Paul zu, „mal sehen ob er auch echt ist?“ Und er drehte den Ring so, dass er ihn von innen sehen konnte und suchte den Goldstempel. „Ich kann ihn nichts entdecken, er ist nichts wert. Sicher hat ihn jemand verloren. Wirf ihn weg, vielleicht freut sich die Elster. Er ist nur Glas.“ „Den schönen Ring wegwerfen, du spinnst wohl.“ Entrüstet drehte sich Paula um. „Und wenn es nun ein Wunschring ist“, überlegte sie. „Das du immer träumen musst, jetzt spinnst du nämlich. Wunschringe gibt es nur im Märchen.“ „Du kannst einem jede Freude nehmen“, maulte Paula. „Komm mal jetzt dicht zu mir und fass mich an und dann werde ich uns was wünschen.“ Paula wollte ihren Traum so schnell nicht aufgeben und Pit liebte seine kleine Schwester und gab nach. „Soll sie nur ein bisschen träumen“, dachte Paul bei sich. Dann sagte er: „Und was willst du dir wünschen?“ „Weist du was, ich wollte schon gerne einmal das ganze Jahr und alle Monate kennen lernen und morgen ist Sylvester, das wäre doch ein Wunsch.“ „Das Jahr kommt noch schnell genug, weist du denn nichts anderes?“ Aber Paula war so begeistert von ihrem Plan, dass sie schon ihren Wunsch aussprach: „Ich wünsche mir, im Reich des Jahres zu sein und alle Monate kennen zu lernen!“

Kaum hatte sie ihren Wunsch ausgesprochen befanden sie sich im tiefsten Winter. „Hu, ist mir kalt, der Schnee wirbelt nur so um uns rum. Was hast du nur gemacht“, rief Pit ganz entrüstet. „Siehst du, es war doch ein Wunschring“, verteidigte sich Paula ganz entzückt. „Na dann wünsche uns mal schnell zurück“, bat Pit. Aber wo war nur der Ring geblieben. Soviel sie auch suchten, er blieb verschwunden. „Ho, ho ich bin der Januar“, tönte von irgendwo eine Stimme! Ihr wolltet mich und meine Brüder kennen lernen. Dann kommt mal mit.“ „Pit schau da sind Kinder  die bauen einen Schneemann. Da hätte ich Lust mitzumachen“, rief Paula ganz erfreut. „So einfach ist das nicht, du kannst dir alles nur ansehen, mitmachen kannst du nicht“, tönte nun wieder die Stimme des Januars. „Schau mal Paula unser Dorf ganz eingeschneit“, rief da auch schon Pit. „Ja und da saust gerade jemand den Abhang hinunter, ach, wenn ich doch dabei sein könnte.“ Staunend standen die Kinder und spürten die Kälte gar nicht mehr.

„Sieh mal, da hat auch Jemand an die Vögel gedacht“, freute sich Paula. „Ja nun haben wir den Winter doch noch heute gefunden und sind mitten im Schnee“ freute sich nun auch Pit. „Jetzt bin ich aber an der Reihe“, hörten sie die Stimme des Februars rufen. „Drängele nicht so du Kurzer, wirst noch schnell genug an die Reihe kommen“, meinte der Januar. „Ich bringe den Menschen nicht nur Schnee, ich bringe ihnen auch viel Spaß und darum mögen  sie mich“, freute sich der Februar. „ Schau mal, Peter hat sich als Indianer verkleidet, er hat sogar eine richtige Trommel. Wo er die nur her hat“,  wundert sich Paula. „Und das ist meine große Brille mit Bart, die ich mir neulich schon gekauft habe“,  erinnerte sich Pit.

„Langsam wird mir aber kalt, es wird Zeit, dass der Frühling kommt“, wünscht sich Paula nun. „Ich komme ja schon, kleines Fräulein“, ertönte von weitem eine zarte Stimme, „aber so schnell wird es nicht warm, da musst du dich schon noch etwas gedulden.“ „Hallo März“, rief Paula, „weißt du, dass ich dich sehr mag! Die ersten kleinen Blümchen, oh, wie ich sie liebe! Die Schneeglöckchen, wenn sie ihr Köpfchen durch den Schnee stecken, wenn sich noch kein anderes Blümchen hervor wagt, und dort die kleinen Veilchen und die lieben Stiefmütterchen.“ Paula konnte gar nicht genug schwärmen. Sie musste daran denken, wie sie den ersten Strauß Frühlingsblumen für die Mutter pflückte. Die ersten warmen Sonnenstrahlen, oh wie schön war doch der Frühling! „Und wie sieht es mit mir aus“, fragte auch schon der April. „Hallo April, ich weiß, du bringst uns den Osterhasen“, meldete sich jetzt Pit. „Weist du noch Paula, im vorigen Jahr unser Nest. Wir haben es gar nicht wiedergefunden.“ „Ja, das kommt öfter mal vor“, lachte der April. „Wenn ich die Menschen  dann so suchen sehe amüsiere ich mich köstlich.“

„Das Osterfest hast du aber nicht alleine gepachtet“, meldet sich noch einmal der März zu Worte. „Nein Brüderlein, rege dich nur nicht auf“, lächelte der April, „ich weiß, dass das Osterfest uns Beiden gehört. Mal bist du an der Reihe und mal ich. Dafür bin ich ein sehr lustiger Geselle, und lade mir noch viele Gäste ein. Mal ist es die Sonne die mit ihren warmen Strahlen die die Vögel zum Nestbau anregt und im nächsten Moment ist der  Winter bei mir zu Gast und die Kinder können einen letzten Schneemann bauen. Bei mir ist es nie langweilig.“ „Das stimmt schon, aber wenn nach herrlichem Sonnenschein der kalte Wind pfeift, kann man sich schnell erkälten und das ist dann gar nicht schön.“ Mischt sich jetzt Pit ins Gespräch. „Ja, daran habe ich noch gar nicht gedacht, aber damit werdet ihr euch wohl abfinden müssen. Ich liebe es anderen Streiche zu spielen“. „Bei mir können sie sich dafür schon auf den kommenden Sommer freuen,“ mit diesen Worten trat der Mai ins Bild. „Bei mir bekommen die Bäume  ihre ersten grünen Blätter. Die Blumen haben endgültig ihren  Winterschlaf beendet und ihre Vielfalt erfreut jedes Herz.“ „Und ich kann endlich meinen Roller rausholen und nach Herzenslust damit fahren“, freute sich Paula. „Sieh mal Vati und Opa malern die Laube neu und decken das Dach, dort wo es nötig ist.“   „Ach ja, im Mai macht es schon Spaß draußen herum zu tollen.“ „Na seht ihr,“ meinte der Mai, „der späte Frühling und die Sommerzeit sind wohl doch die schönsten?!“ „Nein“, gibt Pit zu bedenken, „das würde ich nicht sagen. Jede Jahreszeit hat ihre schönen Seiten und ich mag sie jede für sich.“ „Schau einer an, wie diplomatisch sich der Junge herausredet um ja Keinem von uns weh zu tun. Na, wer bin ich? Weist du es schon kleines Mädchen?“ „Du bist der Juni“, antwortetete Paula „ beizeiten hat Mutti mit uns eure Namen gelernt.. Du bringst uns die schönsten Rosen, darum wirst du auch der „Rosenmonat“ genannt.“ „Du bist aber ein schlaues Kind, sogar meine zweiten Namen kennst du!“ Lobte der Juni Paula. „Und ich freue mich, dass es bald Ferien gibt“, warf Pit dazwischen.“Das glaube ich dir gerne. Aber denkt ihr auch an die Tiere? Auch sie freuen sich, dass ihr Leben jetzt leichter wird. Seht  nur mal  die Schmetterlinge.“ „Oh, ja es macht viel Spaß sie zu beobachten“. träumte Paula vom Sommer. „Und bald kommen die Ferien“, jubelte ihr Bruder nun. „Da freust du dich wohl besonders drauf“, meldete sich nun der Juli zu Worte. „Ja dann fahren wir in den Urlaub und gehen baden. Ich freue mich immer ganz doll auf die schöne Zeit. Mal ganz wo  anders wohnen, neue Freunde kennen lernen“, berichtete Pit.

„Ich freue mich dann aber auch immer wieder auf daheim, nach dem Urlaub“, wurde Paula etwas nachdenklich. „Bald kommt dann der August, dann hat Onkel Ulli Geburtstag und wir gehen mit ihm segeln.“  „Und ich kann der Kapitän sein“, träumte Pit laut vor sich hin.                  

„Wenn ihr mich so sehnlichst erwartet, dann muss ich wohl kommen trat jetzt der August hervor. „Man, oh, man ist das heiß“, stöhnte Paula. „Wo ist denn nur ein Fleckchen Erde wo ich Schatten finden könnte?“ „Ja wer mein Gast ist, muss schon etwas Wärme vertragen können“, schmunzelte der August. „Aber bald wird es kühler, wenn mein kleiner Bruder der September erst mal ins Land kommt.“ „Ach, den mag ich gar nicht so recht, dann steht wieder ein ganzes Schuljahr vor mir“, maulte Pit. „Ich freue mich auf die Schule“, schaltete sich Paula ein. „Das ist aber nur weil du sie noch nicht kennst, und weil du in diesem Jahr eine große Schultüte bekommst. Im nächsten Jahr sieht das schon ganz anders aus.“

„Und die schönen Sonnenblumen die ich euch mitbringen“, fragte vorsichtig der September der gerade um die Ecke bog. „Ich staune jedes Mal wie hoch sie wachsen!“, rief Paula aus. „Na, lass mal, du hast auch deine guten Seiten“, tröstete Pit jetzt weil ihm der September leid tat. „Einige schöne warme Tage gibt es bei dir auch noch.“ „Schau mal“, rief Paula hoch erfreut, „der Oktober kommt, mein Geburtstagsmonat!“ „Ja du hast es gut, bei mir sieht das schon schlechter aus“, gab Pit zu bedenken.  „Ich habe zu Weihnachten Geburtstag, ich hätte auch lieber in einem anderen Monat“. „Wisst Ihr, dass in jedem Monat, und sogar an jedem Tag viele Menschen Geburtstag haben“, fragte der Oktober. „Darüber habe ich noch nie so nachgedacht“, gab Paula zu. „Aber die schönen bunten Blätter die es bei dir gibt und die Kastanien und Eicheln freuen mich in jedem Jahr. Ein Waldspaziergang im Oktober macht immer großen Spaß“, erzählte Paula dem Oktober. „Ja das stimmt“, meinte Pit, „und ein wenig freut man sich schon auf Weihnachten.“

„Aber erst komme ich noch an die Reihe“, schaltete sich der November ein. „Du bist grau und trübe, du bist wirklich ein Monat der keinem Freude macht“, gab ihm Pit ihm zu verstehen. „Ach, hast du vergessen, dass es bei mir das Martinsfest gibt? Und wie schön man in den Dämmerstunden Märchen hören kann, dass es einen richtig ein bisschen gruselt.“ „Oh, ja das hat immer Freude gemacht mit den Laternen durch die Straßen zu ziehen und wenn Oma dann abends erzählt hat und wir zusammen saßen“, erinnerte sich Paula. „Manchmal brennt an meinem letzten Sonntag sogar schon die erste Adventskerze.“ „Ja und dann komm ich, der Letzte von uns Zwölfen.“ „Und du bringst uns das größte Fest des Jahres und die Sylvesternacht!“ „Weist du noch im vorigen Jahr, als wir den Weihnachtsbaum mit Vater selbst aus dem Wald geholten?“ „Ja das war wirklich toll. Immer dachten wir der ist gerade der Richtige und dann wenn wir hinkamen, war er recht krumm und wir mussten weiter  suchen. Dafür war es aber dann auch der schönste Baum.“ „Nun wird es aber langsam Zeit das wir uns verabschieden“, verkündete der Dezember. „Ihr habt euren Wunsch erfüllt bekommen und uns alle kennen gelernt. Geht jetzt nach Hause und feiert Sylvester wir wünschen euch alles Gute im Neuen Jahr“. „Danke, danke für Alles“, riefen Pit und Paula noch und dann standen sie wieder alleine im Wald. „Ich kann es noch gar nicht glauben“, staunte Pit, „wo ist eigentlich der Wunschring?“ „Hast du ihn nicht gehabt?“ „Er ist fort! Aber schön war es doch! Wenn es uns auch keiner glaubt“, überlegte Paula. Von Ferne sahen sie die ersten Sylvesterraketen aufsteigen. Verträumt und glücklich gingen sie nach Hause. Noch oft am Abend lächelten sie sich wissend zu und die Eltern überlegten was ihre Beiden wohl wieder hätten.