Erna das Kräuterweiblein

 

In einem kleinen Haus am Waldesrand lebte Erna. Sie begnügte sich mit dem was Wald und Flur für sie hergaben. Erna war ein Kräuterweiblein, jedenfalls wurde sie von den Menschen ihrer Umgebung so genannt. War ihr Wissen gefragt, half sie gerne  aus, ganz gleich ob bei Mensch oder Tier. So geschah es immer wieder das der Eine oder Andere bei der alten Frau herein schaute und um Linderung der verschiedensten Gebrechen bat. Für jeden hatte das Kräuterweiblein das Passende. Geld nahm sie nie für ihre Hilfe. „Mir wird es auch von der Natur geschenkt“, meinte sie jedesmal, wenn Menschen sich bedankten.

Eines Tages fand sie bei ihrer Kräutersuche einen Hasen im Gebüsch der jämmerlich zugerichtet war. Er war mit einer Pfote in die Falle geraten. Erna nahm den Kleinen mit nach Hause und pflegte ihn gesund. Einer Amsel schiente sie einen gebrochenen Flügel. Jedes Jahr zur Winterzeit stellte sie sich seit dem bei der alten Frau ein und forderte ihr Futter. Erna hatte viel Freude am Umgang mit ihren vierbeinigen Freunden. Für sie gehörten Menschen und Tiere mit zur Natur, alle gemeinsam bildeten sie ein Ganzes. Ein Leben lang hatte sie es nicht anders kennen gelernt. Bis sie eines Tages ein halb verhungertes Füchslein fand. Die Mutter war von einem Jäger erschossen worden ohne daran zu denken, dass es vielleicht Junge gab die auf sie warteten. Als Erna das Kleine sah, suchte sie erst einmal den Bau und befreite die anderen beiden Waisen. Dann nahm sie die Drei mit nach Hause und fütterte sie bis sie zu stattlichen Füchsen heran gewachsen waren. ‚Nun können  sie wieder das Leben in freier Natur aufnehmen‘, dachte Erna. Denn so hatte sie es bisher immer mit ihren Pfleglingen gehalten. Aber diesmal sollte sie sich geirrt haben. Die Füchslein waren so anhänglich, das sie nicht in den Wald zurück kehren wollten.

Immer war es dem Kräuterweilein gut gegangen. Stellte sich ein Schnupfen oder anderes Ungemach ein, griff sie zu ihren Elixieren und schon war das Übel behoben. In diesem Herbst schlug jedoch nichts an, was die alte Frau auch probierte, sie wurde immer schwächer und schwächer so dass sie kaum noch das Haus verlassen konnte. „Wenn ich doch nur die weiße Wurzel hätte“, sprach sie immer vor sich hin. Das hörten die drei Füchse und beschlossen die weiße Wurzel zu suchen. Als das Kräuterweiblein am nächsten Morgen die Füchse nicht vor dem Haus fand, nahm sie an, diese hätten sich nun doch in den Wald zurück gezogen.

Die Füchse jedoch streiften durch den Wald auf der Suche nach der weißen Wurzel. Sie fragten die Elster, die von oben alles beobachten kann, aber sie konnte nicht helfen. Sie erkundigten sich beim Wildschwein, das die Erde durchwühlt, aber es kannte die weiße Wurzel nicht. Als sie auf die Waldwiese kamen fragten sie den Maulwurf ob er die weiße Wurzel gesehen hätte. Als dieser hörte, dass Erna Hilfe brauchte, verschwand er in seinem unterirdischen Reich und tauchte kurz darauf mit einer Wurzel auf die er den Füchsen reichte. „Bringt sie ihr mit lieben Grüßen“, sagte er noch. Sie bedankten sich freudig und liefen so schnell es ging heimwärts. Hier legten sie dem Kräuterweiblein die Wurzel zu Füßen. Mit letzter Kraft kochte diese sich einen Tee, den sie von nun an täglich trank. So kehrte an jedem Tag ihre Kraft mehr und mehr zurück. Die drei Füchse blieben für immer im Waldhaus und Erna dankte es ihnen ihre Hilfe mit besonderer Liebe und Pflege.

© ChT