Hinter den Bergen

 

Weit hinter den Bergen, tief im Wald stand eine fast verfallene Hütte. Schon seit vielen Jahren hatte sich Toni dorthin zurück gezogen. Als seine Frau damals starb, hatte er nur noch einen Wunsch, weit fort von den lebhaften, fröhlichen Menschen, die ihn doch nicht mehr verstehen würden. In der Einsamkeit, im Einklang mit der Natur fühlte er sich wohl. Sein einziger treuer Kamerad, sein Hund „Strolch“, war im vorigen Herbst in den Hundehimmel gegangen. Allein war er jedoch hier draußen im Walde nicht. Am Morgen, beim ersten Sonnenstrahl, weckten ihn die Vögel, am Tage schauten die Eichhörnchen vorbei, ab und zu ließ sich auch ein Reh sehen, die Eule wünschte ihm eine gute Nacht. Toni war es hier nie langweilig, er kannte sich mit der Heilkraft der Kräuter aus und hatte schon so manchem Tier bei Verletzungen geholfen. So hatten die Tiere auch keine Furcht vor ihm.

Hinter der Hütte, die einmal einem Köhler gehörte, hatte Toni sich ein Stück Land urbar gemacht, auf dem er sich das Nötigste was er brauchte selbst  anbaute. Die Beeren wuchsen ihm in der Sommerzeit fast in den Mund und auch an Pilzen herrschte kein Mangel. So lebte Toni zufrieden Tag für Tag.

Als er wieder einmal seinen  täglichen Morgenspaziergang unternahm, hörte er von ferne ein leises wimmern. „Was kann das nur sein, da will ich doch gleich einmal nachsehen ob jemand Hilfe braucht“, dachte Toni und ging dem Geräusch nach. Er brauchte auch nicht lange zu suchen. Von der Schonung gut eingebettet, fand er einen verlassenen Fuchsbau. Sicher war die Füchsin vom Förster erwischt worden oder vom Bauern beim Mausen einer Gans. Jedenfalls war sie nicht zu ihrem Bau zurück gekehrt. Die anderen Füchse waren wohl groß genug gewesen, sich selbst zu ernähren und hatten das Weite gesucht. Dieser Kleine hier war jedoch hilflos ohne seine Mutter. „Ist ja schon gut“, tröstete  Toni und näherte sich dem verwaisten kleinen Rotpelz. Dieser ließ Toni auch näher kommen ohne zu flüchten und als er dem Kleinen noch ein Stück seines Frühstücks hinhielt, stand der Freundschaft nichts mehr im Wege. Zutraulich trottete  der kleine Fuchs hinter seinem neuen Brotherren her. Er blieb bei Toni und folgte ihm auf Schritt und Tritt. Es wurde eine Freundschaft fürs Leben. Toni hatte große Freude an dem kleinen vierbeinigen Freund und Rotpelz fand in Toni einen treuen Beschützer. Nach anfänglicher Skepsis fanden sich auch die anderen Waldtiere mit Tonis neuem Hausgenossen ab.

© ChT