Höhlenabenteuer

 

Herrliches Wetter lockte schon am frühen Morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein. Gerd liebte die Natur über alles, so zog es ihn in den Ferien gleich nach dem Frühstück ins Freie. Schnell war der Rucksack mit dem Nötigsten gepackt. Für Gerd gehörten dazu vor allem, seine Kamera und ein Notizblock. Er steifte nicht nur so durch die Wälder für ihn gab es immer etwas zu entdecken. Sei es ein Frankraut das ihn durch seinen Wuchs besonders ansprach oder ein Vogelnest. Der Junge verstand es sich fast lautlos in der Natur zu bewegen, ohne die Tiere aufzuschrecken oder gar zu ängstigen. Sie zu beobachten, ihnen nahe zu sein, war sein Ziel.  Durch ein Knacken aufmerksam geworden, sah er ein Eichhörnchen die Kiefer hinauf huschen, vielleicht wollte es sich einen Zapfen als Wintervorrat sichern. Gerd beobachtete es bis es seien Blicken entschwunden war.

Auf einer Waldlichtung luden die schönsten Beeren zum Schmausen ein. Hier machte Gerd es sich bequem, suchte sich ein Gras bewachsenes Fleckchen und streckte sich aus. Ein Käferlein erklomm gerade die Spitze eines Grashalms, „Was für ein schönes Foto“, dachte Gerd und drückte auf den Auslöser der Kamera. In den Wintermonaten sortierte er seine Bilder in Alben und erfreute sich daran. Gerd wusste, dass er mit diesem Hobby unter seinen Altergefährten ziemlich alleine war. Wen interessierte das schon, doch davon ließ er sich nicht abschrecken.  Die Zeit verging wie im Fluge schon neigte sich der Nachmittag seinem Ende entgegen, die Sonne war schon dabei hinter den Bäumen zu verschwinden. Heute war Gerd viel weiter in den Wald vorgedrungen als sonst, immer wieder  einer anderen Spur folgend. Für ihn war dieser Tag so spannend gewesen, dass er gar nicht merkte wieweit sich der Tag schon seinem Ende zu neigte. Als er jetzt gen Himmel blickte, dachte er an die mahnenden Blicke der Mutter und ihren Satz „Zum Abendbrot bist du aber wieder hier!“ Heute war dies nicht zu schaffen, dass wurde Gerd sofort klar. Er schaute sich erstmals bewusst um, welchen Weg er nun wählen müsse. Meist ging es bei ihm Querfeldein, wozu Wege benutzen, war seine Devise, dort war es viel zu langweilig. So richtig die Natur erleben konnte man nur, wenn man sich auch in ihr befand und nicht auf den dafür vorgesehenen Wegen. Als erstes versuchte es Gerd indem er sich einfach umwandte und die Gegenrichtung einschlug. Doch schon bald stellte er fest, dass er sich immer mehr verirrte. Langsam fing es an zu dunkeln, an den Heimweg war für heute nicht mehr zu denken. Jetzt galt es einen Hochsitz oder verborgenes Eckchen in einen Schonung zu finden. „Die Zeit der Wölfe und Bären ist vorbei“, sagte Gerd zu sich selbst lächelnd. Und doch hatte er  bisher noch nie so allein im Wald übernachtet. Nun versuchte er sich darauf einzurichten.

Als er sich genauer in seinem Umkreis nach einem Unterschlupf umsah, entdeckte er in der Ferne etwas, das aussah wie ein Höhleneingang. Erstaunt ging Gerd darauf zu. Tatsächlich, wenn er es auch zuerst noch nicht glauben wollte, hier gab es eine Höhle. Nichts wie rein, dachte er, hier bin ich Wind- und Regengeschützt. Nach einem kurzen Picknick, kuschelte er sich auf seinen Rucksack und schlief sofort ein. Er träumte von seinen Tageserlebnissen, aber auch wie er auf Entdeckungstour durch die Höhle war.

Beim ersten Morgengrauen erwachte Gerd etwas durchgefroren auf den kalten Steinen der Höhle, aber sonst wohl auf.  Er kramte die letzen Reste aus seinem Rucksack als Frühstück zusammen, um aufs Neue auf Entdeckungstour zu gehen. „Bis zum Abend ist es noch weit und jetzt sind die Eltern sowieso im Betrieb“, dachte Gerd. Keinen Moment musste er überlegen, wo es heut hingehen sollte. Natürlich wollte er die Höhle erkunden. Endlich würden seine Freunde einmal staunen. Eine Höhle war etwas Spannendes, was selbst sie locken würde. 

Schon nach kurzem wurde es immer dunkler in der Höhle, nur noch tastend konnte er sich vorwärts bewegen, doch dort, war da nicht ein Licht?  Jetzt sah Gerd, dass es noch einen weiteren Gang gab, die Wege teilten sich. Für ihn war die Frage nicht schwer, welchen Weg er wählen sollte. Der rechte war zwar der breitere, der linke schien jedoch ins Licht zu führen. Dort sah er es hell schimmern am Ende des Ganges. Egal wo er raus kam, wenn er erst einmal im Freien war, würde er auch nach Hause finden, das stand für Gerd fest. Er lief und lief, langsam kam es ihm seltsam vor. War er nicht schon mehrere Stunden gelaufen, oder täuschte die Zeit? Näher war er dem Lichtschein jedoch nicht gekommen.  Als er fast am Ende seiner Kräfte war wurde der Weg breiter. Von neuer Hoffnung angespornt lief Gerd weiter. „Gleich habe ich es geschafft“, sagte er sich. Nun hatte er einen riesigen Raum erreicht. „Was war das? Das ist doch kein Tageslicht? Wovon habe ich mich nur die ganze Zeit irre führen lassen?“ Gerd war den Tränen nahe. Er war mit seinen Kräften am Ende, Durst und Hunger quälten ihn, da die Vorräte verbraucht waren. Hier war es unheimlich. Keine Chance auf entkommen, kein Licht am Ende des Tunnels, dem er so lange gefolgt war. Gerd ließ sich auf seinen Rucksack fallen und schlief erschöpft sofort ein.

„Hey, hey habt ihr den schon gesehen?“ „Das scheint ein Mensch zu sein!“ „Viel zu klein!“ „Auf alle Fälle gehört er nicht hier her!“ „Wer gehört nicht hier her?“ Diese Stimmen drangen im Traum zu Gerd vor. Im Traum? Träumte er eigentlich oder war er schon wieder wach und befand sich unter diesen seltsamen Wesen, die um ihn herum standen? Gerd wagte nicht die Augen richtig zu öffnet. Immer noch in der Hoffnung es sei ein Traum, kniff er sie fest zu. „Ich werde gleich erwachen und bin zu Hause. Der Tag war recht anstrengend“, dachte er. „War ich nicht in einer Höhle?“ Langsam fand Gerd in die Wirklichkeit zurück, diese gefiel ihm aber gar nicht. „Da war doch ein Licht dem er gefolgt war“, erinnerte er sich, „und dann diese große Höhle.“

Jetzt war ihm klar, diese Wesen waren echt. In diesem Moment hörte er auch wieder diese Stimme „Wer gehört nicht hier her?“ „Er scheint der Anführer zu sein“, dachte Gerd, denn alle anderen machten ihm jetzt Platz und ließen ihn an Gerd heran. „Oh, oh, das sieht böse aus! Verschließt sofort alle Gänge! Wenn er heraus kommt, berichtet er den Menschen von uns und dann sind wir verloren!“ „Ich bin gefangen.“ Gerd bekam es mit der Angst zu tun. Nun glitt nur eine List anzuwenden, sonst bleibe ich für immer hier“, erkannte Gerd seine Lage. „Hallo, du“, wurde Gerd jetzt angesprochen. „Wie du es geschafft hast uns zu finden weiß ich nicht. Da du aber nun einmal hier bist, musst du auch hier bleiben. Ich kann dich nicht auf die Erde zurück lassen ohne das wir alle gefährdet sind. Du bist bei den Höhlentrolls und ich bin Meck, der Anführer.“ „Ich bin Gerd und würde euch garantiert nicht verraten“, kam die Antwort. „Spar dir deine Bitte. Vor vielen hundert Jahren ging es uns einmal genauso, fast alle von uns wurden ausgerottet. Nun sind wir nach all den Jahren wieder zu einem recht beträchtlichen Stamm heran gewachsen, das werde ich für dich um keinen Preis riskieren.“  „Du kannst hier leben wie wir, wir werden dir nichts tun, nur die Freiheit können wir dir nicht wieder geben.“ Gerd verstand die Situation und nahm sich vor erst einmal alles aus zu kundschaften. Ihm wurde eine Ecke in der Höhle zugewiesen. Zum Abendessen bekam er Spinnen, Moos und Wasser angeboten. Natürlich bekam Gerd keinen Bissen herunter, nur das Wasser nahm er gierig zu sich, die Zunge klebte ihm schon vor Trockenheit am Gaumen.

Schon bald merkte er, dass ein Entkommen schier unmöglich war, da die Höhlentrolle nie alle schliefen, sie wechselten sich stets mit der Höhlenwache ab. Diese versahen sie gewissenhaft, so das Gerd keine Möglichkeit sah auf Entdeckungstour zu gehen. Jeden seiner Bewegungen wurde aufs genauestens bewacht.

So ging es eine lange Zeit. Immer öfter musste Gerd an seine Eltern denken, die sich seinetwegen sorgen würden. Durch den Mangel an Nahrung wurde Gerd immer kleiner. Bald kam er sich schon vor, als sei er selbst einer der Gnome. Doch eins hatte sich im Laufe der Zeit geändert und hier kam Gerd seine Tierliebe zu Gute.

Nachdem sich der Junge an die Dunkelheit in der Höhle gewöhnt hatte, konnte er seine Augen wieder besser gebrauchen. So entdeckte er eines Tages einen kleinen Verschlag. Um ihr Nahrungsangebot aufzubessern hielten die Gnome hier Wachteln gefangen um sich ihre Eier zu Nutze zu machen. Die Vögel litten unter der Dunkelheit. Gerd freundete sich mit ihnen an und befreite sie eines Tages. Schnell fanden die schlauen Tiere den Weg in die Freiheit.

Wie ein Lauffeuer sprach es sich im Wald herum, dass Gerd gefangen gehalten wurde. Nun beratschlagten die Tiere wie sie helfen könnten. Erwin, der dicke Keiler , der in der Dunkelheit sehr gut sehen kann, grunzte: „Da räume ich auf!“ Und er tat was er versprach. Voller Wut und Kraft stürmte er in die Höhle und vertrieb die Gnome aus ihrem Quartier. Dann stellte er sich vor Gerd und grunzte ihn freundlich an, was so viel heißen sollte wie: „Steig auf, ich bring dich heim.“ Und das tat er dann auch. Erst am Waldrand machte er halt. Nun konnte der Junge den kurzen Weg nach Hause selbst finden. Die Gnome musste sich einen andern Wald suchen.

Als Erwin an Morgen erwachte, dachte er an seinen seltsamen Traum. In Gedanken bedankte er sich bei den Tieren des Waldes. Aber er hatte auch etwas gelernt, nie alleine fremde Höhlen zu erkunden. Frohgemut startete er zu seiner nächsten Fotosafari, immerhin waren Ferien und er wollte jeden Tag nutzen. (c) ChT