Häschen Langohr

 

Endlich hatte der Winter  sich verabschiedet. Schnee und Eis hielten sich nur noch an einigen Flecken hoch am Hang. Aber auch das würde nicht  mehr  lange dauern. Familie Hase hielt Ausschau nach dem ersten zarten Grün, denn der Magen knurrte gar sehr. So freuten sie sich auch besonders über die bunten Frühlingsblumen die überall zum Gruß ihre kleinen Köpfchen aus dem Erdreich reckten. Bald würden die Hasen, die Farben der Blumen zum Eier bemalen benötigen. Oma Lampe kannte noch alle alten Rezepte zum mischen der schönsten Farben. Schließlich gab es bei Lampes immer die farbenprächtigsten Ostereier.  Wenn Häschen Langohr über die Waldwiese hoppelte merkte er sich ganz genau die Stellen mit den schönsten Blumen. "Glöckchen dein blau ist so zart und klar! Bitte heb es für mich auf", redete Langohr das Blümlein an, das mit einem nicken seines Köpfchens antwortete. Schnell verging die Zeit, schon neigten die ersten Blüten ihr Köpfchen um sich zur Ruhe zu begeben. Ihre Blütezeit war für dieses Frühjahr beendet.

So kam eines morgens, noch bevor die Sonne aufging, Häschen Langohr mit seinen Eimern um Farben zu sammeln. Geschwind ging das bei ihm und schon bald konnte er der Oma seine gefüllten Eimer bringen. Langohrs Hasenbrüder waren ebenfalls unterwegs gewesen, aber keiner hatte sein Eimerchen so voller Blütenfarbe wie Langohr. Jetzt zeigte sich die Sonne am Horizont, die Vögel stimmten ihr Morgenlied an. Heute begann das große Eiermalen. Vater und Mutter Hase hatten in der Nacht vom Bauern die Eimer abgeholt. Nero, dem Hofhund,  hatten sie ein besonders großes Ei versprochen damit er sie in den Stall ließ.

Nun kam der große Moment. Jedes Häschen zeigte seine Kunst im Eier malen. Den ganzen Winter hatten sie in der Hasenschule die schönsten Muster geübt.  Jedes Häschen nahm seinen Pinsel in die Pfote und begann zu malen. Doch was war das? Die vielen Farbtöpfe, die Langohr voll bunter Blütenfarbe gesammelt hatte, enthielten statt dieser Farbe, alle nur goldene Farbe. So schön dieses Gold auch war. Langohr liefen dicke Tränen über sein Fell. So lange hatte er sich die schönsten und kräftigsten Farben ausgesucht, und nun....

"Du brauchst nicht weinen", tröstete ihn Oma Lampe, "dies Wunder geschieht nur alle hundert Jahre! Nur dann wenn es Vater Mond ganz besonders gut mit uns meint. Dann schenkt er einem ausgewählten Hasenkind sein Gold. Du bist also etwas ganz Besonderes, kleines Langohr!" Nun bemühten sich die Häschen die vergoldeten Eier mit Tupfen und Ornamenten zu bemalen. Zum Schluss war die große Hasenkiepe gefüllt und alle Hasenkinder bestaunten diese glänzenden Ostereier.  Langohr wurde zum Hasenkönig gewählt, weil der Mond es so bestimmt hatte. Als die Kinder am Ostermorgen in Wald, Feld und Garten ihre Ostereier suchten, war der Jubel groß. Diese Osterfest würden sie nie vergessen.

© ChT