Kurti spukt wieder

 

Hoch oben auf einem Plateau sieht man von der Straße her die Mauern eines alten Schlosses traumversunken liegen. Manch einen Reisenden lockt es, hier eine Weile anzuhalten und nach einem ausgedehnten Waldspaziergang, in alte Zeiten einzutauchen

Kurti hat diese Zeiten noch erlebt, ihn gab es vor vielen hundert Jahren schon, als das Schloss noch in vollem Glanze erstrahlte. Gerne denkt er noch daran zurück, wie es war, wenn er nach langen Bällen die Gäste nachts erschreckte. Diese schönen Zeiten waren schon lange vorbei. Kurti gab es zwar immer noch, nur seinen Dienst als Gespenst vom Schloss konnte er schon lange nicht mehr wahrnehmen. Geisterzeit war nach wie vor um Mitternacht und kein Wanderer verirrte sich zu dieser Zeit auf das alte Schloss. Traurig beobachtete Kurti die seltenen Tagesgäste und dachte zurück an so manch guten Streich den er gespielt hatte. So verging Jahr für Jahr. Wie sehr sehnte sich Kurti nach den Zeiten wo sich die Menschen noch vor ihm gruselten. Doch sollte für Kurti bald ein besonderer Tag kommen von dem er noch nichts ahnte.

Tim kam gegen Abend in diese Gegend und sah, wie viele vor ihm, die Schlossruine in der Abendsonne leuchten. „Eine kleine Pause kann mir nach langer Fahrt nicht schaden“, dachte Tim und stieg aus. Stellte sein Auto am Waldrand ab und machte sich auf den Weg zum Schloss. Oben angekommen genoss er erst einmal den herrlichen Ausblick in die Landschaft. Tim dachte daran wie es wohl früher einmal hier gewesen sein mag. Er ging durch die Reste der alten Ruine, stellte sich die Räume vor, wie sie wohl einst ausgesehen haben. In Gedanken versunken rutschte er plötzlich weg, unter seinen Füßen hatte der Boden nachgegeben. Der junge Mann konnte sich gerade noch zur Seite fallen lassen um nicht in der Versenkung zu verschwinden. Er fand keinen Halt. In großem Umkreis gab der Boden mehr und mehr nach, sobald er sich bewegte. Langsam setzte die Dunkelheit ein. Tim versuchte sich im kriechen der Gefahrenstelle zu entziehen, da merkte er, dass er mit einem Fuß fest hing. Tim sah keine Chance sich selbst hieraus zu befreien. „Das wird eine lange Nacht“, dachte er bei sich, bemüht seine Lage so bequem wie möglich zu gestalten. „Hui, ein Mensch, endlich ein Mensch, der heute Nacht bei mir bleibt“, freute sich Kurti. Er konnte es kaum erwarten, dass seine Stunde kam. Endlich schlug die Turmuhr Mitternacht. Nun war es soweit. Kurti schwebte leicht wie eine Feder zu Tim. „Hui, hui“, rief er, „jetzt ist Gespensterzeit, halte dich zum Spuk bereit. Froh und lustig geht’s hier zu, heut Nacht kommst du nicht zur Ruh.“ Verträumt rieb sich Tim die Augen, selbst in seiner Lage war er nach dem langen Tag ein wenig eingenickt. „Was ist los, träume ich?“ Um Tim drehte Kurti seine Kreise, in grellen Neonfarben leuchtend. Jetzt war Tim munter wie am frühen Morgen. Er entsann sich, dass er sich auf einem verfallenen Schloss befand und bemüht war nicht für alle Zeiten ins Verließ hinunter zu rutschen. „Hey, Schlossgespenst, komm doch mal her!“, rief Tim ihm zu. „Kannst du mir nicht helfen und mich befreien? Sieh ich habe mir den Fuß eingeklemmt.“ „Du wagst es mich anzusprechen?“, grollte Kurti, kam jedoch näher. „Ja“, meinte Tim, „dir muss es doch recht langweilig hier sein. Ich mache dir einen Vorschlag. Du befreist mich und ich nehm dich mit.“ „Ich kann hier nicht weg, ich gehöre zum Schloss.“ Kurti kam näher und setzte sich auf einen Stein. „Bei mir hast du auch ein Schloss. Es war einmal ein Schloss, heute ist es ein Hotel. Du könntest jede Nacht die Gäste erschrecken.“ „Jede Nacht? Wie in alten Zeiten?“ Kurti konnte es kaum fassen. „Wie in alten Zeiten! Zuvor musst du mich aber hier befreien, sonst sterbe ich!“ „Wenn das stimmt was du sagst, helfe ich dir!“ Kurti hatte schnell das Bein freigelegt und zog Tim von dem Rande des Verlieses fort. Tim hielt sein Versprechen und nahm Kurti mit ins Hotel. Beide wurden gute Freunde. Kurti lebte sich schnell bei Tim ein und erfreute die Gäste täglich zur Geisterstunde.

© ChT