Marc und die Feder

 

Marc spielte wieder einmal mit seinem Kätzchen am Waldesrand. Mutz war sein liebster Freund, da Marc  keine Geschwister hatte, war er oft mit Mutz alleine zu Hause. „Kommst du mit?“, lockte Marc sein Kätzchen. „Wollen wir wieder ein bisschen durch den Wald streifen?“ Mutz ließ sich so etwas nicht zweimal sagen. Freudig sprang sie auf, um ihrem Freund zu folgen. Natürlich war Mutz auch ein Vogelliebhaber.   Da konnte Marc reden soviel wie er wollte, dafür hatte Mutz nun einmal  eine besonders gute Katzennase.

So entging ihm auch nicht, dass dort im Gebüsch ein Vogelnest lag. Sofort stürmte er darauf los und Marc folgte ihm. „Hilfe, Hilfe“ piepste die Vogelmutter. „Wirst du gleich herkommen Mutz“, schimpfe Marc. Tatsächlich, Mutz hörte auf Marc und  ließ sich von dem Vogelnest weg locken. Nicht weit vom Nest entfernt, sah Marc plötzlich eine wunderschöne Feder schimmern. „Mutz schau mal, so eine wunderschöne Feder!“, rief Marc freudig aus. „Da werden meine Freunde aber morgen staunen, wenn ich sie mit in die Schule nehme.“ Mutz schnupperte einmal, merkte, dass kein Vogel damit verbunden war und somit interessierte ihn die Feder nicht mehr. „Menschen soll man verstehen“, dachte der Kater. Beide spielten noch ein Weilchen, aber Marc war so fasziniert von seiner Feder, dass er gar keine rechte Freude mehr am Spiel hatte. „Von welchem Vogel kann sie nur stammen“, grübelte er immerfort. Marc konnte nichts anderes denken den Abend über und zog sich zeitig in sein Bett zurück. Die Eltern staunten über ihren Jungen, dachten jedoch vielleicht fühlt er sich nicht recht wohl, morgen wenn er ausgeschlafen hat, ist alles wieder in Ordnung.

Marc  ging sogleich ins Bett, legte seine Feder unter das Kopfkissen und träumte. Zuerst mit offenen Augen. „Wie würden seine Freunde morgen früh staunen, was würden sie sagen? Keiner von ihnen hat eine solche Feder!“ Noch einmal nahm er seine Feder in die Hand um sie zu betrachten.

„Komm, komm“, lockte ihn plötzlich eine kleine Fee die auf seiner Bettdecke landete. „Wer bist du?!“, rief Marc voller staunen. „Komm einfach mit, und du wirst es erfahren. Schnell zog sich Marc an und entschwand mit der kleinen Fee durch das offen stehende Fenster. „Setz dich auf meinen Rücken“, meinte nun die Fee. „Ich bin Sternchen, die Helferin der Nachtfee.“ „Bin ich dir nicht viel zu schwer?“, fragte Marc. „Im Zauberreich sind wir alle leicht, aber nun komm, wenn die Uhr zwölf schlägt muss ich wieder mit dir hier sein.“  „Ich kann das alles noch gar nicht fassen“, stotterte Marc und setzte sich auf Sternchens Rücken. Schnell ging es durch die Lüfte, über den Wald hinweg ins Zauberland.

An einem kleinen strahlend blauen Waldsee landete Sternchen. Alle Tiere des Waldes hatten sich hier versammelt um Marc zu danken. „Wofür?“, fragte Marc ganz verdutzt. „Du hast einem von uns heute geholfen. Oder hast du schon vergessen, wie die kleine Vogelmutter fast Opfer deiner Katze geworden wäre?“ erinnerte jetzt Frau Eule. „Aber das war doch selbstverständlich!“, rief Marc aus. „Es freut uns, dass es für dich selbstverständlich war. Aber das ist es nicht für alle Menschen und darum hast du einen Wunsch frei!“, quakte jetzt ein Frosch vom Waldsee her. „Danke, dass ich mit euch sprechen durfte, dass ich diese Nacht erleben durfte“, antwortete Marc bescheiden. „Auch uns freut es einen so tierlieben Jungen kennen zu lernen. Aber nun dein Wunsch“, drängte ein Hase, der extra eine Blume für Marc gepflückt hatte. „Da hätte ich schon einen Wunsch“, meinte er. „Dann rede schon“, forderte nun auch Frau Eule. „Ich möchte eure Sprache verstehen. Ihr wisst, ich bin sehr viel im Wald, wenn ich euch nun verstehen würde, wäre ich nicht mehr so alleine.“ „Gut“, versprach die Eule, „dein Wunsch ist hiermit erfüllt, jedoch nur wenn du darüber schweigen kannst und nur wenn du alleine im Walde bist.“ „Einverstanden und ganz herzlichen Dank euch allen“, rief Marc vergnügt aus. „Komm“, drängte nun wieder Sternchen, gleich ist es Mitternacht und da musst du wieder zu Hause sein.“ Marc stieg schnell auf den Rücken der Fee und winkte zum Abschied seinen Freunden zu.

„Unser Junge ist gar nicht wach zu kriegen“, wunderte sich am Morgen die Mutter zum Vater gewandt, als sie Marc wecken wollte. „Dabei ist er doch abends so zeitig schlafen gegangen.“ „Ich bin noch so müde“, streckte sich nun Marc und rieb sich den Schlaf aus den Augen. „Ich beeile mich“, rief er dann aber gleich und huschte schnell ins Badezimmer um sich frisch zu machen.

Die Feder hatte er jedoch zuvor in einem besonderen Kästchen versteckt. Er würde sie nicht mit in die Schule nehmen, sonst würde er vielleicht doch noch seine Geschichte erzählen. Er freute sich jedoch schon sehr auf den Nachmittag und das Spiel im Wald, konnte er doch zum ersten mal ausprobieren, ob es auch klappen würde mit der Sprache der Tiere. © ChT