Die Farben der Aster

 

Langsam neigte sich der Sommer seinem Ende zu. Die Natur genoss die letzten warmen Strahlen der Sonne, froh die brennende Sommerhitze überstanden zu haben. Morgens lag jetzt schon der kalte Tau auf der Wiesen mit ihren Blumen, der den nahenden Herbst ahnen ließ. Die Sommerblumen neigten ihre Köpfe, sich zur Ruhe begebend. Erntewagen fuhren die Schätze vom Acker ein. Nun war die Zeit der Herbstblumen gekommen. Sie vertrugen die Hitze nicht so gut, dafür liebten sie auch mal einen frischen Wind. Eine der häufigsten Herbstblumen, die Aster, war jedoch sehr unzufrieden mit sich selbst. Eitel spiegelte sie sich jeden Tag im Sonnenlicht und maulte: „Die Sommerblumen sind viel schöner. In allen Farben zeigen sie sich in ihrer Pracht.  Wir Astern zeigen sich nur im Braun, das ich gar nicht mehr sehen kann.“ „Du hast ein wunderschönes braun“, antwortete ihr darauf der Herbst, denn er liebte seine Astern besonders. Diese hörte jedoch nicht auf ihren Kummer in die Welt zu klagen. Da der Herbst dies nicht länger mit ansehen konnte, tauchte er seinen Pinsel ganz tief in seinen Farbtopf und fuhr damit über die Astern. Jetzt strahlten sie plötzlich in allen Farben, wiegten sich im Wind und fanden, dass sie nun die Allerschönsten seinen. Der Herbst lächelte gutmütig über seine eitlen Blumenkinder. Aber auch ihm gefielen sie jetzt noch besser.

© ChT