Pflaumenzeit

 

„Oh wie schade, dass die Ferien bald vorbei sind.“ Laura schlingt die Arme um Muttis Hals und gibt ihr einen Gutenachtkuss. „Sicher wird dir Gundel bald schreiben, ihr habt euch doch so gut verstanden“, tröstete die Mutti. Vor ein paar Tagen waren sie aus dem Urlaub gekommen, in dem Laura eine liebe Freundin gefunden hatte. „Was hältst du davon  noch ein paar Tage zur Oma zu fahren bevor die Schule beginnt“, lächelte Mutti, wusste sie doch, wie gerne ihr kleines Mädchen bei der Großmutter war. „Mutti, das ist ja toll!!“, rief Laura begeistert und hüpfte im Bett herum. „Gleich morgen?“, setzte sie schnell die wichtigste Frage hinterher. „Meinetwegen gleich morgen! Aber jetzt wird geschlafen. Ich werde deine Tasche packen und mit Oma telefonieren um dich anzukündigen.“

Schon früh war Laura am nächsten Tag wach, zog sie doch die Sehnsucht zur Großmutter. Schnell schlüpfte sie noch für ein paar Minuten zur Mutti ins Bett und kuschelte sich an sie. Dann standen beide auf, frühstückten in Ruhe bevor sie sich auf den Weg machten.

Große Freude herrschte auch bei der Oma in Erwartung ihrer Enkelin, für die sie sich wieder etwas Besonderes vorgenommen hatte. Zuerst einmal wird Laura jedoch stürmisch begrüßt und nach ihren Ferienerlebnissen befragt. „Vier Tage bleib ich bei dir“, strahlt das Mädchen seine Großmutter an „Mama holt mich Samstag wieder ab, weil Montag die Schule beginnt.“ „Da bist du sicher schon mächtig aufgeregt, nun kommst du schon in die dritte Klasse“, antwortete Oma. Als die Beiden dann endlich alleine sind kommt auch gleich Lauras übliche Frage „Oma, was machen wir diesmal?“ „Was hältst du davon, wenn wir Mama mit selbst gekochter Marmelade überraschen?“ schlug Oma vor. „Marmelade? Die kauft man doch im Supermarkt“, kam es etwas enttäuscht von Laura. „Das ist ja langweilig alles fertig zu kaufen. Selber machen ist viel interessanter“, lockte Oma. „Wenn du meinst…, dann musst du mir aber auch wieder eine deiner Geschichten erzählen.“ „Aber gerne doch, meine kleine.“ „Welche Marmelade kochen wir?“ Jetzt setzte Lauras Eifer ein. „Wir kochen Pflaumenmus. Komm hilf mir, sie zu entsteinen. Dann müssen wir sie klein schneiden.“ Nun saß Laura mit ihrer Oma am Küchentisch eine große Schüssel voll Pflaumen vor sich. Beide waren eifrig in die Arbeit vertieft als Oma zu erzählen begann: „In meiner Kindheit wurde fast alles was im Winter in der Küche gebraucht wurde, zuvor im Sommer eingekocht. Ob es Marmelade, Obst zum Nachtisch oder Gemüse für die Beilage des Mittags war. Das machte viel Arbeit, den ganzen Sommer über mussten wir damit rechnen, dass uns Mutters Ruf erreichte ‚Kinder kommt ,wir wollen Gemüse putzen.’ Oft hatten wir keine Lust unser Spiel zu unterbrechen. Wenn Mutter rief kamen wir aber sofort, wenn auch nicht immer mit einem Lächeln. Hieß es jedoch, ‚Morgen wird Pflaumenmus gekocht’, war die Freude jedes Mal groß. Es war ein besonderes Ereignis. Zum Pflaumenmus kochen traf sich das ganze Haus. Wir waren vier Familien, alle Mütter und Kinder saßen auf dem Hof und entsteinten Pflaumen. Dabei wurde viel gesungen, erzählt und gelacht. Es wurden mehrere Wassereimer Pflaumen vorbereitet um danach in einem großen Kessel in der Waschküche zu Mus gekocht zu werden. Stundenlang standen unsere Mütter abwechselnd am Kessel, da das Mus ständig gerührt werden musste. War es dann endlich fertig und wir hatten es, noch warm, auf der Stulle, war es für uns das Beste was es überhaupt gab.“ „Da wäre ich auch gerne dabei gewesen“, meinte Laura traumverloren.

„Schau wir sind schon fertig. Jetzt müssen wir nur noch das Mus kochen, aber auch das geht heute ganz einfach, haben wir doch einen elektrischen Herd und müssen nicht wie damals den großen Kessel heißen.“ Oma gab die Pflaumen in einen großen Kochtopf und stellte die Kochplatte auf klein. Nach ein paar Stunden standen mehrere Gläser Pflaumenmus auf dem Küchentisch. Laura hatte in der Zwischenzeit die Etiketten hierfür gemalt.

„Das war heute wieder ein besonders schöner Tag“, sagte sie als Oma ihr den Gutenachtkuss gab. „Du bist halt doch die beste Oma der Welt.“ Als die Mutter ein paar Tage später kam um ihre Kleine abzuholen, wurde sie mit frischen Brötchen und Pflaumenmus zum Kaffee bewirtet. Natürlich nach Laura sich auch ein Glas des leckeren Pflaumenmuses mit nach Hause. (c) ChT