Bunte Blätter überall

 

Hui, wehte der Herbstwind die Blätter durcheinander. Es bereitete ihm einen riesigen Spaß, sie nach seiner Melodie tanzen zu lassen. Rot, gelb braun, mit einem letzten Grünschimmer, wirbelten sie klein und groß über und untereinander. Den Blättern gefiel der Tanz so gut, dass sie einander zum Tanz aufforderten. Auch einen Schönheitswettbewerb wollten sie veranstalten. „Wer ist der Schönste?“, rief auffordernd ein Kastanienblatt. „Du ganz bestimmt nicht“, rief darauf das vielfarbige Ahornblatt. Ganz still verhielt sich das kleine, braune Eichenblatt.

Meister Springschnell, das Eichhörnchen hatte den Streit vom Baum einer alten Buche verfolgt. „Ihr braucht wohl einen Schiedsrichter“, rief er den Blättern vom Baume aus zu. Sofort trat Stille ein. Nur ein leises Rascheln hörte man. „Warum nicht“, meldete sich nun das Lindenblatt. „Du siehst uns alle hier im Winde tanzen, beobachtest wie wir uns drehen, siehst unsere Farbenpracht. Du wärst von dort oben genau der richtige Schiedsrichter. „Da habe ich aber auch noch ein Wörtchen mitzureden“, mischte sich Frau  Elster ein, die auf einer Birke Platz genommen hatte.

„Das gefällt mir“, freute sich das Kastanienblatt. „Desto mehr eine Jury bilden, des fairer ist das Urteil.“ Nach und nach gesellten sich immer mehr Vögel hinzu. Fink, Amsel und Dompfaff waren zur Waldwiese gekommen. Mäuse schauten aus ihren Löchern, vom lauten Spektakel angelockt und Hasen hielten in ihrem Lauf inne. Die alte Buche sollte Platz für die Jury bieten. „Blase Wind, blase, damit wir tanzen können“, riefen die Blätter durcheinander. Dies ließ sich der Herbstwind nicht zweimal sagen. Voller Freude und Lust fuhr er dazwischen und wirbelte die Blätter nur so durcheinander. Aufmerksam beobachtete die Jury den Tanz. Immer wieder wiegten sie ihren Kopf um dem bunten Treiben zu folgen. Als der Wind eine Pause einlegte, sahen die Blätter fragend zur Jury. Als Springschnell, Frau Elster und der ehrwürdige Dompfaff sich eine Weile beraten hatten, begann letzterer mit der Rede. „Verehrte Blätter! Wie ihr da so im Wind euren Tanz vollführtet, euch nach allen Richtungen sanft wiegend neigtet, da wurde uns klar, dass jeder von euch seine ganz speziellen Reize hat. Der eine von euch ist etwas bunter, der andere etwas zarter in seinem Blätterkleid, der Dritte wieder versteht es, sich ganz besonders graziös zu drehen. Aber wer besser oder schlechter ist, wer schöner oder unscheinbar ist, das können wir nicht entscheiden. Eure Vielfalt macht es, die euch gemeinsam so schön erscheinen lässt. Darum nehmt alle den Preis des Siegers entgegen. Ihr seid einfach wunderschön, jeder für sich.“ Als der Dompfaff seine Rede beendet hatte, sahen die Blätter im ersten Moment alle etwas betrübt aus. Doch dann meinte der Ahorn: “Ist es nicht schön, das wir alle gemeinsam Freude bereiten, dass wir uns gemeinsam im Tanze wiegen können ohne Neid?!“

Vor Freude piepten die Mäuse in ihren Löchern, die Hasen trommelten Beifall und Springschnell schlug einen Purzelbaum. Voll Vergnügen blies der Wind auf zum nächsten Tanz. (c) ChT