Mit Geistern unter einem Dach

Urlaub, die schönste Zeit des Jahres!? Wie sehr freut man sich nach einem Jahr voller Stress, endlich zwei Wochen die Seele baumeln zu lassen und zu relaxen. Nach neun stündiger Zugfahrt erreichten wir das Ziel unserer Wünsche. Wir stellten uns bereits unsere Ferienwohnung vor. Wie würde sie sein? Würden wir enttäuscht oder zufrieden sein mit dem gebotenen Komfort. Würden wir einen guten Fernsehempfang haben? Immerhin lag unser Ziel hoch in den Bergen, dicht am Wald. Endlich hielt der Zug, wir stiegen aus und streckten unsere Glieder. Nun sahen wir uns um, wir sollten abgeholt werden. Welches der parkenden Autos gehörte zu unserem Quartier? In dem Moment kam ein junger Mann auf uns zu „Familie Müller?“ fragte er. Mein Mann bejahte diese Frage. Ich hätte fast reflexartig „Nein“ geschrien. So entsetzt war ich. Der Teufel persönlich stand vor uns. -  Nein natürlich war es ein Mensch, ein Mensch wie du und ich, sein Aussehen entsetzte mich jedoch so sehr, dass ich am liebsten auf der Stelle zurückgefahren wäre. Wie sich dann später beim Gespräch mit meinem Mann auf dem Zimmer herausstellte, hatte es mein ach so realistischer Mann genauso empfunden. „Was soll’s“ mein er „du wirst ihm nicht jeden Tag begegnen. Wir haben uns viel vorgenommen, wollen die Gegend erkunden. Denke an die schönen Dinge die vor uns liegen. Schlimm genug, dass ein Mensch so entstellt herumlaufen muss.“ Wie schon erwähnt, ist mein Mann ein absoluter Realist, für den es keinerlei Geister gibt. Auch ich hatte von Kindheit an keine Probleme mit “Märchenwesen“, denn dafür hielt ich sie bis zu diesem Urlaub. Hier jedoch fühlte ich mich absolut unwohl. Aber was hätten wir auch tun sollen? Jedes Fremdenverkehrsamt hätte uns nur mitleidig belächelt und an unserem Verstand gezweifelt.

Nach einem Bummel durch den Ort und gemütlichem Abendessen begaben wir uns in unser Quartier. Die lange Fahrt hatte ermüdet und so wollten wir an diesem Abend nicht all zu spät Schlafengehen. Zuerst jedoch begab ich mich ins Schlafzimmer, die Koffer mussten ausgepackt werden. Doch schon als ich das Zimmer betrat, spürte ich, dass hier etwas nicht stimmte. Um meinen Mann nicht zu verärgern, wollte ich nicht schon wieder mit diesem Thema kommen. Und doch war es ganz deutlich zu fühlen, ich war nicht allein in dem Zimmer, hier gab es noch einen, der mir bedrohlich klar machte, dass wir hier nicht gewünscht waren. Als ich die Koffer verstaut hatte und alles an seinem Platz war, begab ich mich wieder ins Wohnzimmer. „Ich bin noch gar nicht müde“ log ich „was gibt denn das Fernsehprogramm her?“ Es gelang mir meinen Mann noch zu einem Film zu überreden, von dem ich jedoch nichts mitbekam, meine Gedanken weilten nur in Zimmer nebenan, in das ich irgendwann musste. Und schon war der Moment gekommen, der Film war zu Ende und mein Mann macht Anstalten ins Bett zugehen. Wenn ich ihn jetzt nicht erzürnen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich auch für die Nacht fertig zu machen. Wir gingen schlafen und schon nach wenigen Minuten schnarchte mein Liebling neben mir. Ich war hell wach, wie nach mehreren Kannen Kaffee. Ich wagte mich nicht zu rühren. Wer war der Andere, der deutlich in seiner Anwesenheit zu spüren war? So vergingen die Tage und vor allem die Nächte. Ich schwieg und verdarb mir den Urlaub, da ich immer nur an die unweigerlich vorrückende nächste Nacht denken musste.  Nach drei Tagen konnte ich nicht mehr und erzählte meinem Mann von meinen Beobachtungen und von meiner Angst. Ich hatte erwartet, jetzt wütend zu Recht gewiesen zu werden, in etwa „Lass doch endlich deine Spinnerei!“. Stattdessen sagte mein Mann: „Ich weiß, ich fühle das Gleiche wie du.“ Ich war sprachlos. Mein realistischer Mann empfand ebenso? Er war jedoch nicht bereit den Urlaub abzubrechen. Erschöpft kehrte ich nach vierzehn Tagen nach Hause zurück. Der Urlaub im Geisterhaus hatte ein Ende.  Dies Erlebnis werde ich nie vergessen. Es kann jeden treffen, denn der Spuck und die dunklen Seiten des Lebens wird es immer geben.

(c) ChT